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Rautaki
Wie verbreitet ist KI in Schweizer NPOs?

KI-Reifegrad in Schweizer NPOs: Was die Studien zeigen — und was nicht

Keine Studie misst den KI-Reifegrad im Schweizer NPO-Sektor. Die verfügbaren Daten zeigen dasselbe Muster: hohe individuelle Nutzung, strategisches Vakuum.

Publiziert

Eine belastbare Zahl gibt es nicht: Keine publizierte, quantitative Studie misst den KI-Reifegrad im Schweizer Non-Profit-Sektor. Wer wissen will, wie verbreitet KI in Schweizer NPOs ist, muss aus drei Nachbarfeldern triangulieren — der Schweizer Gesamtwirtschaft, den NPO-Studien aus Deutschland und Österreich und internationalen Surveys. Und diese Triangulation zeigt ein bemerkenswert einheitliches Muster: hohe individuelle Nutzung bei fast durchgehend fehlender Strategie. KI wird längst benutzt, aber kaum geführt. Genau dieses Vakuum — nicht die Nutzung — ist die eigentliche Erkenntnis.

Das Wichtigste in Kürze

  • Aktivnutzung wächst rasant — in der Schweizer Wirtschaft. Die aktive KI-Integration in Schweizer KMU sprang von 22 % (2024) auf 34 % (2025) (AXA/Sotomo KMU-Arbeitsmarktstudie 2025). Das ist die Gesamtwirtschaft, nicht der NPO-Sektor.
  • Individuelle Nutzung ist hoch, die Verankerung tief. 80 % der Schweizer Fach- und Führungskräfte haben persönliche GenAI-Erfahrung, aber nur 23 % berichten einen unternehmensweiten Einsatz in der Datenanalyse (ZHAW AI Barometer 2025).
  • Der beste NPO-Wert stammt aus Deutschland. 73 % der Engagierten und Beschäftigten im gemeinnützigen Sektor nutzen generative KI — bei nur minimaler strategischer Verankerung (ZiviZ/Stifterverband 2025, Deutschland, nicht Schweiz).
  • Das Strategie-Defizit ist messbar. In österreichischen NPOs setzen 32 % KI-Tools ein, aber 78 % haben keine KI-Strategie (npoAustria/WU Wien 2024, Österreich, nicht Schweiz).

Was die Schweizer Zahlen hergeben

Für die Schweizer Gesamtwirtschaft ist die Datenlage gut — sie sagt nur nichts über NPOs. Die AXA/Sotomo KMU-Arbeitsmarktstudie 2025 zeigt, wie schnell die Schweizer Wirtschaft adoptiert: Der Anteil der KMU mit aktiver, bewusster KI-Integration stieg innert eines Jahres von 22 % (2024) auf 34 % (2025), während der Verzicht auf KI von 45 % auf 29 % zurückging. Das ist das Tempo, an dem sich ein NPO-Rückstand überhaupt erst bemessen liesse.

Noch aufschlussreicher ist das ZHAW AI Barometer 2025, weil es die eigentliche Bruchstelle offenlegt. 80 % der befragten Schweizer Fach- und Führungskräfte haben persönliche GenAI-Erfahrung, 93 % nutzen KI zur Textgenerierung. Doch das Potenzial wird individuell erschlossen, nicht organisational: 96 % sehen Potenzial in der Datenanalyse, aber nur 23 % berichten einen tatsächlich unternehmensweiten Einsatz. Es ist eine kleine Befragung (n=137), also eher Indikation als repräsentative Quote — aber sie belegt für die Schweiz genau die Diagnose, die im NPO-Sektor vermutet wird: hohe Nutzung, geringe Verankerung.

Die Aufsichtsperspektive liefert der swissVR Monitor 2024 (Deloitte, HSLU, n=391 Schweizer Verwaltungsrätinnen und -räte). 70 % der Gremien haben sich mit generativer KI befasst, das grösste wahrgenommene Risiko sind fehlerhafte KI-Resultate (60 %). Doch nur 17 % lassen sämtliche KI-Outputs menschlich prüfen, und rund drei von vier erhalten kaum oder kein regelmässiges Reporting zum KI-Einsatz. Auch diese Zahlen gelten für Unternehmen allgemein — nicht für NPOs. Übertragbar ist die Struktur des Problems, nicht der Messwert.

Was die NPO-Studien aus dem DACH-Raum zeigen

Sobald es NPO-spezifisch wird, verlässt man die Schweiz. Die derzeit beste Zahl im deutschsprachigen Raum stammt von ZiviZ im Stifterverband (2025) — einer Onlinebefragung von n=1.235 Engagierten und Beschäftigten im deutschen gemeinnützigen Sektor, durchgeführt mit dem Schweizer VMI der Universität Fribourg als Partner. Das Ergebnis: 73 % nutzen generative KI, vor allem für Textarbeit, Recherche, Übersetzung und Kommunikation — aber nur eine Minderheit der Organisationen hat Leitlinien, Strategien oder klare Zuständigkeiten. Der Titel der Studie ist zugleich ihr Befund: «individuell genutzt, aber strategisch vernachlässigt».

Die österreichische Studie von npoAustria und der WU Wien (2024) misst dasselbe auf Organisationsebene: 32 % der NPOs setzen bereits KI-Tools ein (wiederum vor allem für Texterstellung, Recherche und Übersetzung), aber 78 % haben keine KI-Strategie und keine Planung. 52 % erwarten starke bis sehr starke Veränderungen durch KI und Digitalisierung — der grösste genannte Bedarf ist der Kompetenzaufbau bei den Mitarbeitenden.

Beide Studien sind ausdrücklich nicht die Schweiz. Ob ihre Werte übertragbar sind, ist offen — und es gibt gute Gründe zur Vorsicht. Das Schweizer Milizsystem prägt NPO-Vorstände anders als die hauptamtlichen Strukturen in Deutschland; das revidierte Datenschutzgesetz (revDSG) setzt einen eigenen Rahmen; und die Mehrsprachigkeit verändert, wie und mit welchen Werkzeugen überhaupt gearbeitet wird. Die DACH-Zahlen sind die beste verfügbare Näherung — mehr als eine Näherung sind sie nicht.

Das Muster über alle Quellen

Was auffällt, ist die Robustheit des Befunds über völlig unabhängige Erhebungen hinweg. Die Schweizer Gesamtwirtschaft (ZHAW), der deutsche NPO-Sektor (ZiviZ) und die österreichischen NPOs (npoAustria) kommen aus verschiedenen Ländern, mit verschiedenen Methoden, zu derselben Diagnose: Die Nutzung ist hoch, die Governance folgt nicht nach. International bestätigt der Salesforce Nonprofit Trends Report (7. Ausgabe, 2025) das Bild — mehr als die Hälfte der weltweit befragten NPOs pilotieren oder nutzen KI aktiv, während die Governance hinterherhinkt.

Wenn ein Muster in vier unabhängigen Kontexten dasselbe sagt, ist es belastbarer als jede einzelne Zahl. Für Schweizer NPOs heisst das: Man kann zwar keine Schweizer Prozentzahl nennen, aber man kann mit hoher Zuversicht sagen, welche Art von Problem vorliegt. Es ist kein Nutzungsproblem. Es ist ein Führungsproblem.

Die Forschungslücke: Was keine Studie beantwortet

So klar das Muster ist — für den Schweizer NPO-Sektor bleiben vier Fragen konkret unbeantwortet:

  1. Kein Schweizer NPO-KI-Reifegrad-Survey. Keine publizierte Studie misst KI-Adoption oder -Governance repräsentativ bei Schweizer Vereinen, Stiftungen und Verbänden. Jede NPO-spezifische Zahl stammt aus Deutschland oder Österreich.
  2. Keine Reifegrad-Segmentierung. Selbst die DACH-Studien messen «Nutzung ja/nein», nicht einen mehrstufigen Reifegrad — von ad hoc über pilotiert und strategisch verankert bis skaliert. Ein NPO-taugliches Reifegradmodell mit Schweizer Daten existiert nicht.
  3. Governance-Blindstelle im NPO-Kontext. Der swissVR Monitor liefert Aufsichtszahlen nur für Unternehmen. Für ehrenamtliche Stiftungsräte und Vereinsvorstände im Milizprinzip gibt es keine Schweizer Daten zu KI-Aufsicht, -Policies oder -Kompetenz.
  4. Keine Grössen- und Ressourcendifferenzierung. ZiviZ zeigt starke Unterschiede nach Organisationsgrösse — für die kleinteilige Schweizer NPO-Landschaft mit ihren vielen Kleinstvereinen fehlen entsprechende Daten völlig.

Für ein NPO-Gremium ist das keine akademische Fussnote. Es bedeutet, dass Entscheide über KI heute ohne belastbare Datengrundlage getroffen werden — weder über den eigenen Standort noch über den Vergleich mit ähnlichen Organisationen. Wer auf «die Studie» wartet, die den Schweizer NPO-Reifegrad endlich beziffert, wartet auf etwas, das es nicht gibt.

Was Schweizer NPOs daraus ableiten sollten

Aus einer Datenlücke folgt keine Handlungslücke. Vier pragmatische Schlüsse lassen sich schon heute ziehen:

  1. Eigene Standortbestimmung statt Warten auf Studien. Die relevante Zahl ist nicht die des Sektors, sondern die der eigenen Organisation. Eine ehrliche interne Standortbestimmung — wer nutzt was, wofür, mit welcher Absicherung — liefert mehr als jeder Branchendurchschnitt.
  2. Schatten-KI inventarisieren. Wenn 73 % der Engagierten im DACH-Raum bereits KI nutzen, tun es Ihre Mitarbeitenden mit hoher Wahrscheinlichkeit auch — oft ohne dass die Führung davon weiss. Ein einfaches Inventar aller genutzten KI-Werkzeuge, inklusive der KI-Funktionen in eingekaufter Software, ist der erste ehrliche Schritt.
  3. Governance vor Skalierung. Das durchgängige Muster — hohe Nutzung, fehlende Strategie — ist eine Einladung, es besser zu machen: erst Leitplanken, dann Ausbau. Welche Fragen ein Gremium dafür stellen muss, behandelt unser Beitrag zur KI-Strategie im Verwaltungsrat.
  4. Kompetenz gezielt aufbauen. Der grösste in den Studien genannte Bedarf ist der Kompetenzaufbau — und für Organisationen mit EU-Bezug ist die AI-Kompetenz sogar bereits eine Rechtspflicht (siehe EU AI Act für Schweizer NPOs). Für Milizstrukturen genügt oft eine pragmatische, schlank dokumentierte Schulung der aktiven Personen.

Die Studienlage sagt Ihnen also nicht, wo Ihre Organisation steht — aber sie sagt Ihnen sehr genau, welche Frage Sie sich stellen sollten. Nicht «nutzen wir schon KI?», sondern «führen wir sie auch?».

Der erste Schritt ist eine ehrliche Standortbestimmung. Wenn Sie wissen möchten, wo Ihre Organisation heute wirklich steht, vereinbaren Sie ein kostenloses Erstgespräch — oder sehen Sie sich den Weg zu wirksamer KI an, von der Standortbestimmung bis zum sicheren Betrieb.

Diese Synthese beruht auf öffentlich zugänglichen Studien; Stand Juli 2026.

Harry Witzthum
Harry Witzthum

Gründer von Rautaki · Doktor der Philosophie · NPO-Manager VMI


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